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Collien Fernandes und Deepfake-Pornos: Was der Fall zeigt

Collien Fernandes machte öffentlich, was sexualisierte Deepfakes mit Betroffenen machen. Ihr Fall zeigt zugleich, warum Tätersuche, Löschung und Monitoring getrennte Aufgaben sind.

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Ein öffentlich bekannter Fall – und ein Problem, das jede Frau treffen kann

Collien Fernandes sprach in einer ZDF-Dokumentation offen über pornografische Bilder und Videos, die mit ihrem Gesicht gefälscht wurden. Sie suchte nach den Menschen hinter den Inhalten und zeigte, wie eine ganze Industrie mit solchen Bildern arbeitet.

Der Fall ist kein Beweis dafür, dass nur Prominente betroffen sind. Heute kann bereits ein normales Profilbild als Vorlage reichen. Für Betroffene beginnt die schwierige Arbeit deshalb nicht erst bei der Tätersuche: Jede Fundstelle, direkte Datei und neue Kopie muss separat gefunden und entfernt werden.

Kurz gesagt

Die 2024 veröffentlichte ZDF-Recherche zeigt sexualisierte Deepfakes mit dem Gesicht von Collien Fernandes. Die Aufnahmen waren nicht echt. Der Schaden war es trotzdem: Ihr Gesicht wurde gegen ihren Willen in pornografische Inhalte eingesetzt und über Plattformen, Foren und private Kanäle verbreitet.

Wichtig: Tätersuche und Strafanzeige können wichtig sein, löschen aber nicht automatisch Beiträge, direkte Dateien, Vorschaubilder oder Kopien auf anderen Seiten.

Dein nächster Schritt: Wenn du selbst betroffen bist, sichere zuerst URLs, Accounts und den sichtbaren Zusammenhang. Bearbeite danach Plattform, Datei, Suchmaschinen und weitere Kopien als getrennte Ziele.

Eine sichtbare Löschung beendet den Fall nicht. Inhalte können in geschlossenen Gruppen, auf Spiegelseiten oder unter einer neuen Adresse erneut auftauchen.

1Fundstellen sichern

URL, Account, Datum und sichtbaren Zusammenhang dokumentieren.

2Veröffentlichung melden

Den passenden Meldeweg der Plattform oder Website nutzen.

3Dateien kontrollieren

Prüfen, ob direkte Bild- und Videoadressen wirklich verschwunden sind.

4Suche bereinigen

Websuche und Bildersuche als eigene Aufgaben bearbeiten.

5Weiter beobachten

Neue Uploads, Accounts und Spiegelseiten früh erkennen.

Was bei Collien Fernandes passiert ist

In der ZDF-Recherche „Deepfake-Pornos: Das Geschäft mit dem Missbrauch“ sprach Collien Fernandes 2024 über pornografische Bilder und Videos, die mit ihrem Gesicht erstellt wurden. Ihr reales Gesicht wurde in fremde sexualisierte Aufnahmen eingesetzt. Die gezeigten Handlungen haben nie stattgefunden.

Fernandes suchte gemeinsam mit der Journalistin Marie Bröckling nach den Menschen und Strukturen hinter den Inhalten. Die Recherche führte nicht zu einem einzelnen „Hacker“, sondern zu verschiedenen Rollen: Werkzeuge erzeugen die Fakes, Portale veröffentlichen sie und Foren oder private Gruppen verbreiten sie weiter.

Das Entscheidende ist nicht, ob ein Bild perfekt echt aussieht. Der Missbrauch beginnt bereits dort, wo eine Person ohne Zustimmung sexualisiert und zum Objekt gemacht wird. Genau deshalb beschreibt der Deutsche Juristinnenbund sexualisierende Deepfakes als eine Form bildbasierter sexualisierter Gewalt.

Eine Frau betrachtet im Studio verschiedene künstlich veränderte Darstellungen ihres Gesichts

Der Fall Collien Fernandes zeigt keinen einzelnen Fake, sondern eine Verbreitungskette: Ein Gesicht kann in vielen Varianten erzeugt, veröffentlicht und weiterkopiert werden.

Deepfake, Fake-Profil und echter Leak sind nicht dasselbe

Die Begriffe werden oft vermischt. Für die Entfernung ist die Unterscheidung wichtig:

  • Sexualisierter Deepfake: Das Bild oder Video wurde künstlich verändert. Es zeigt etwas, das nie passiert ist.
  • Fake-Profil: Ein Account tritt mit deinem Bild oder Namen auf. Die veröffentlichten Bilder können echt oder manipuliert sein.
  • Leak: Ein echtes privates Bild wurde ohne deine Zustimmung veröffentlicht.

Mehrere Formen können gleichzeitig vorkommen. Ein Deepfake kann unter einem Fake-Profil veröffentlicht werden. Ein echtes Alltagsfoto kann daneben als angeblicher „Beweis“ stehen. Und dieselben Inhalte können später auf einer Leak-Seite oder in einem Forum auftauchen.

Für dich bedeutet das: Nicht nur das Bild melden. Der Account, der Beitrag, die direkte Datei und jede weitere Fundstelle brauchen möglicherweise einen eigenen Meldeweg.

Warum der Fall auch Nicht-Prominente betrifft

Für einen sexualisierten Deepfake ist heute kein echtes Nacktbild nötig. Ein normales Porträt, ein Urlaubsfoto oder ein kurzes Social-Media-Video kann als Ausgangsmaterial reichen. Auch der Deutsche Juristinnenbund weist darauf hin, dass öffentlich verfügbare Bilder genügen können.

Prominente sind leichter zu finden, weil bereits viele Aufnahmen von ihnen im Netz stehen. Das Grundproblem betrifft aber ebenso Privatpersonen, angehende Creatorinnen und junge Frauen mit einem öffentlichen Profil. Täter müssen die Person nicht einmal kennen. Das Bild kann automatisiert gesammelt, verändert und in einer Community weitergegeben werden.

Wenn du nie intime Bilder verschickt hast, schützt dich das deshalb nicht vollständig. Es bedeutet nur, dass es sich bei einer sexualisierten Darstellung wahrscheinlich um eine Manipulation und nicht um einen echten Leak handelt.

Die wichtigste Lehre: Täter finden und Bilder löschen sind zwei Aufgaben

Die ZDF-Dokumentation begleitet die Suche nach Personen hinter den Deepfakes. Das ist journalistisch wichtig und kann für ein Strafverfahren entscheidend sein. Für die sichtbare Entfernung löst die Tätersuche aber nur einen Teil des Problems.

Ein Bild kann weiter erreichbar sein, obwohl ein Account gesperrt wurde. Eine Suchmaschine kann noch eine Vorschau zeigen, obwohl die Ursprungsseite nicht mehr lädt. Eine Spiegelseite kann bereits eine Kopie besitzen, bevor die erste Fundstelle verschwindet.

Eine vollständige Bearbeitung kontrolliert deshalb vier Ebenen:

  1. Beitrag oder Profil: Ist die sichtbare Veröffentlichung entfernt?
  2. Direkte Datei: Lädt das Bild oder Video über seine eigene Adresse noch?
  3. Suchmaschinen: Sind Webtreffer und Bildvorschauen verschwunden?
  4. Neue Kopien: Taucht der Inhalt unter anderer URL, auf einer Spiegelseite oder in einer Community erneut auf?

Wie diese Ebenen technisch zusammenhängen, erklären wir im Grundlagenartikel zur technischen Infrastruktur von Websites.

Warum ein Gesetz die Entfernung nicht automatisch erledigt

Im März 2026 diskutierte die Bundesregierung einen stärkeren Schutz vor digitaler Gewalt und sexualisierten Deepfakes. Dabei wurde zugleich ein praktisches Problem benannt: Rechtspflichten sind das eine, die tatsächliche Reaktion einer Plattform das andere.

Ein Anspruch auf Löschung kann bestehen und trotzdem muss die richtige Stelle gefunden, vollständig informiert und bei Nichtreaktion weiter unter Druck gesetzt werden. Sitzt der Betreiber außerhalb Deutschlands, fehlen klare Kontaktdaten oder liegen Website und Bilder bei verschiedenen Dienstleistern, wird die Bearbeitung technisch kompliziert.

Eine Strafanzeige kann helfen, einen Täter zu verfolgen und den Fall zu dokumentieren. Sie entfernt aber nicht automatisch jede Kopie im Internet. Dasselbe gilt umgekehrt: Eine erfolgreiche Löschung ersetzt keine Anzeige, wenn Drohungen, Erpressung oder weitere Straftaten vorliegen.

Was du tun solltest, wenn ein Deepfake von dir auftaucht

1. Sichere den Fund, ohne ihn weiterzuverbreiten

Dokumentiere die vollständige URL, den Account, Datum und Uhrzeit sowie den sichtbaren Zusammenhang. Eine Bildschirmaufnahme mit Browseradresse ist meistens hilfreicher als ein isoliertes Bild. Veröffentliche die Fundstelle nicht selbst in einem Warnpost – dadurch kann sie zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen.

2. Melde den konkreten Inhalt und den Account

Nutze bei einer seriösen Plattform den Meldegrund für manipulierte oder intime Inhalte ohne Zustimmung. Wenn zusätzlich ein Fake-Profil besteht, melde auch die Nachahmung deiner Identität. Bei einer unseriösen Leak-Seite solltest du nicht unvorbereitet deine private Wohnanschrift oder Haupt-E-Mail-Adresse übermitteln.

3. Prüfe die direkte Datei

Öffne nach der bestätigten Löschung nicht nur den alten Beitrag, sondern auch die gesicherte Bild- oder Videoadresse. Lädt die Datei weiter, ist die Entfernung nicht vollständig.

4. Entferne Suchtreffer separat

Google-Websuche und Google-Bildersuche sind getrennte Oberflächen und können unterschiedliche URLs speichern. Andere Suchmaschinen übernehmen eine Google-Löschung nicht automatisch. Die einzelnen Wege erklären wir in Bilder aus Google-Suche und Bildersuche entfernen.

5. Kontrolliere neue Uploads

Deepfakes werden häufig kopiert, zugeschnitten, komprimiert oder mit Text versehen. Eine einmalige Namenssuche erkennt diese Varianten nicht zuverlässig. In unserer Fallpraxis ist schnelles Handeln besonders wichtig, weil Spiegelseiten Inhalte nicht immer sofort, sondern in unregelmäßigen Abständen übernehmen.

Was defake aus solchen Fällen ableitet

Der Fall zeigt, warum ein reines „Melden und abhaken“ nicht genügt. Der KI RADAR kontrolliert kuratierte kritische Quellen anhand der hinterlegten Profilangaben. Freiwillige Referenzbilder können ergänzend über Bildfingerabdrücke und menschliche Sichtprüfung bei der Zuordnung helfen. Das ist wichtig, weil Gesichter in Deepfakes gezielt so verändert werden können, dass eine Software die Person schlechter erkennt, ein Mensch die Ähnlichkeit aber weiterhin klar sieht.

Beim TAKEDOWN werden Beitrag, direkte Datei und technische Infrastruktur getrennt geprüft. Nach einer Entfernung kontrollieren wir, ob die Datei wirklich nicht mehr lädt und ob dieselbe Darstellung erneut auftaucht. Das Monitoring bleibt während der vereinbarten Laufzeit aktiv.

Du kannst den KI RADAR sieben Tage kostenlos testen. Wenn du bereits eine konkrete Fundstelle hast, ist eine schnelle, geschützte Bearbeitung wichtiger als eine öffentliche Konfrontation mit dem Uploader.

Häufige Fragen

Sind die Bilder von Collien Fernandes echt?

Nein. Die ZDF-Recherche behandelt künstlich erstellte pornografische Bilder und Videos, bei denen ihr Gesicht in fremde Aufnahmen eingesetzt wurde. Dass die gezeigte Situation erfunden ist, macht den Missbrauch nicht harmlos.

Reicht ein normales Social-Media-Foto für einen Deepfake?

Ja. Ein gut erkennbares Gesicht auf einem normalen Profilbild oder Video kann als Ausgangsmaterial genügen. Dafür muss die betroffene Person nie ein intimes Bild aufgenommen oder verschickt haben.

Löscht eine Strafanzeige den Deepfake aus dem Internet?

Nein. Eine Anzeige kann für die Strafverfolgung wichtig sein, führt aber nicht automatisch dazu, dass jede Plattform, direkte Datei, Suchvorschau und Kopie entfernt wird. Diese Ziele müssen zusätzlich bearbeitet werden.

Was ist wichtiger: Täter finden oder das Bild entfernen?

Beides kann wichtig sein, verfolgt aber unterschiedliche Ziele. Bei akuter Verbreitung sollte die Entfernung sofort beginnen, während Beweise für eine mögliche Anzeige gesichert bleiben. Auf die vollständige Identifizierung des Täters zu warten, gibt Kopien unnötig Zeit, sich weiterzuverbreiten.

Kann ein gelöschter Deepfake wieder auftauchen?

Ja. Derselbe Inhalt kann unter einer neuen URL, in einem anderen Forum, auf einer Spiegelseite oder über einen neuen Account erneut veröffentlicht werden. Warum das passiert und wie Monitoring hilft, erklären wir in Warum gelöschte Bilder wieder auftauchen.

Quellen und Aktualität

Quellen zuletzt geprüft am 01. September 2026. Kontaktdaten, Meldewege und die technischen Dienstleister einer Website können sich ändern. Deshalb nennen wir das Datum unserer letzten Prüfung.